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Windelfrei-Erfahrungen mit meinem großen Töpfchenhelden

In die ‚Windelfrei-Methode“ sind wir bei unserem großen Sohn – a.k.a. Mopsi – erst recht spät – nach über einem halben Jahr – so richtig eingestiegen. Wie es dazu kam und was unsere Erfahrungen waren, möchte ich hier berichten.

Mein Interesse an „Windelfrei“ wuchs bereits während meiner erster Schwangerschaft. Richtig darauf eingelassen haben wir uns dann nach Mopsis Geburt im Juni 2015 jedoch nicht. Zwar hatte ich die Prinzipien der Methode immer im Kopf – achtete auf Signale und hielt ihn auch immer mal ‚in der Windel‘ ab, wenn ich merkte, dass er an etwas arbeitete, aber dann war doch der Stress und die Nervösität der ersten Elternzeit und die Angst vor zusätzlicher Arbeit zu groß.

Als Mopsi etwa vier Monate alt war und sich seine Mobilität langsam steigerte machte es ihm großen Spaß immer wieder längere Zeiten nackig zu sein und so konnten wir beobachten, wie er charakteristische Gesichtsausdrücke und Bewegungen zeigte, kurz bevor sich ein kleiner See um ihn herum ausbreitete. Große Geschäfte gingen eh nie unbemerkt an mir vorbei und so merkte ich langsam, dass windelfrei tatsächlich funktionieren könnte und lernte den Pinkel- und Pupsrythmus meines Kindes ganz gut kennen. Dummerweise war es von da an trotzdem noch ein längerer Weg, bis wir uns endlich zutrauten ihn nicht mehr nur in die Windel – oder eben einen gut abgedeckten Boden – machen zu lassen.

Mit gut sechs Monaten konnte Mopsi frei sitzen und die Ära des Töpfchenheldens begann. Über Wochen hatten wir nämlich das gleiche Spiel beobachtet: Nach dem Aufwachen bekam er eine frische Windel und keine 5 minuten später war diese randvoll und das Kind musste wieder gewickelt werden. Zum einen war die so sofort verbrauchte Windel ärgerlich und zum anderen war das Windelnwechseln zu diesem Zeitpunkt für Eltern wie Kind schon zu einer nervenaufreibenden Angelegenheit geworden – wer will schon gerne still auf dem Rücken liegen bleiben, wenn man doch die Welt entdecken möchte! Und so gingen wir dazu über ihn morgens erstmal aufs Töpchen zu setzen. Bilderbuchlesen hatten wir so täglich einen ersten Erfolg und trauten uns jetzt schnell zu ihn auch in anderen Situation nach Timing ins Töpfchen machen zu lassen. Typischerweise nach dem Mittagessen und dem Mittagsschlaf.

Dies war für uns der goldrichtige richtige Einstieg ins windelfreie Leben und bescherte uns ein paar euphorische Monate in denen wir dachten, dass unser Kind bestimmt nach dem ersten Lebensjahr „trocken“ sein würde (denkste! ;-P). In dieser Phase begann Mopsi auch Splitpants zu tragen die ihm das ständige An- und Ausziehen ersparten und von denen ich gleich begeistert war.

Mit den ersten Schritten wurde es aber immer schwieriger Mopsi für das Aufdemtöpfchensitzen zu begeistern und sein ganzes zweites Lebensjahr war ein windelfreimäßiges Auf- und Ab. Das große Geschäft landete seid dem ersten Geburtstag mit ganz ganz wenigen Ausnahmen immer im Töpfchen, während unsere Sofa und der Fußboden sehr viele Pipi-pfützen ertragen musste. Im Haus und auch immer mal unterwegs blieb er in der Regel ohne Windel und trug entweder Splitpants oder meine selbstgenähten Trainingshosen mit eingebauter Frotteeeinlage, die größere Pfützen in der Wohnung vermieden. Immerwieder zeigte er ganz klar die Bereitschaft und die Fähigkeit uns rechtzeitig Bescheid zu geben, schien jedoch oft einfach nicht zu „wollen“. Seit seinem zweiten Geburtstag ging es dann aber sehr schnell und kurz danach war er vollständig dazu in der Lage längere Zeiten einzuhalten und uns auch sprachlich rechtzeitig Bescheid zu geben, wenn er mal musste und jetzt, mit zweieinhalb Jahren, ist für und die Windelphase vollständig abgeschlossen.

Fazit und Tipps für den späten Windelfrei-Start:

  • Rückblickend bereue ich es, erst spät damit begonnen zu haben, Mopsi nicht kommentarlos in die Windel machen zu lassen. Denn ich denke, dass nach circa sechs Monaten, als wir damit begannen seine Ausscheidungen stärker mit ihm zu kommunizieren seine Bereitschaft Signale zu geben bereits eingeschränkt war
  • Trotzdem bin ich froh, dass wir es dann doch noch gewagt haben. „Besser spät als nie“! Denn so habe ich einen Teil meines Kindes viel besser kennengelernt – ich finde es z.B. immer komisch, wenn Eltern überhaupt keine Ahnung davon haben, wie oft und wie viel ihr Kind pinkelt, da es immer in der Windel verpackt ist – und ich denke, dass ich bei ihm so früh ein gutes Körpergefühl gefördert habe.
  • Ich glaube, dass mein Kind trotz des späten Starts ein deutlich besseres Gefühl für seine Körperausscheidungen bekommen hat. Selbst wenn einmal etwas in die Hose geht, hat er nie gelernt dies einfach zu ignorieren und so hinzunehmen, sondern hat bereits seit etwa seinem ersten Geburtstag zumindest hinterher bescheid gesagt.

 

  • Man sollte Angst davor haben sein Kind einfach mal Nackig sein zu lassen. Nur so kann man die Art und Weise, wie es seine Ausscheidebedürfnisse kommuniziert richtig kennenlernen.
  • Man kann immer dann mit Windelfrei anfangen (und auch wieder aufhören?), wenn es für das Kind und die eigene Situation richtig ist und man sich sicher genug fühlt. Ein später Start kann vielleicht schwierig sein, aber man kann trotzdem viele positive Dinge mitnehmen.
  • Ich habe oft negative Kommentare über mich ergehen lassen müssen, warum ich es meinem Kind denn „antuen“ würde ohne Windel zu sein. Das würde ihn doch stressen und überforden! –> auch wenns schwer fällt: lächeln und sich nicht weiter drum scheren. Die gleichen Mütter erblassen vor Neid, wenn dein einanhalbjähriges in der Krabbelgruppe sagt: „Ich will Pipi“ und dann brav in die Toilette macht. 🙂

 

 

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